Forschung an der Psychotherapeutischen Forschungs- und Lehrambulanz

Unsere Psychotherapeutische Forschungs- und Lehrambulanz der Universität Klagenfurt (PUK) fokussiert sich auf die Erforschung und Optimierung psychotherapeutischer Prozesse. Hierfür werden die psychotherapeutischen Behandlungen an Forschungsprojekte geknüpft. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht über aktuell laufende Forschungsprojekte an der PUK.

Die Psychotherapieforschung als Teildisziplin der Klinischen Psychologie beschäftigt sich mit unterschiedlichen Prozessen psychotherapeutischer Verfahren sowie ihrer Wirksamkeit. Die Relevanz der psychotherapeutischen Prozessvariablen zeigt sich im Zusammenhang zum Therapieergebnis, sodass moderne Prozessforschung mittlerweile häufig als kombinierte Prozess-Ergebnis-Forschung auftritt. Das Forschungsteam an der Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse beschäftigt sich ausgehend von einem psychodynamischen Verständnis mit Therapieprozessen und fokussiert dabei vor allem die Themen Mentalisierung und Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT) und Dynamic Interpersonal Therapy (DIT).

Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse ist die Untersuchung von psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter, wobei der Fokus auf depressiven Erkrankungen und Angsterkrankungen liegt. Neben der Häufigkeit und der Neuerkrankungsrate von psychischen Störungen beschäftigen sich aktuelle Forschungsprojekte mit der Entwicklung und Überprüfung von fachspezifischen Behandlungsangeboten für ältere Menschen.

Aktuelle Forschungsprojekte

Mentalisierung

Die Mentalisierungsfähigkeit ist die „[…] Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren“ (Fonagy et al., 2004). Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass eine eingeschränkte Mentalisierungsfähigkeit mit unterschiedlichsten psychischen Problemen zusammenhängt. Das Ziel der Mentalisierungsbasierten Therapien (MBT) ist die gezielte Steigerung der Mentalisierungsfähigkeit und der damit verbundenen Symptomreduktion. Als Schlüsselfähigkeit der psychischen Gesundheit beschäftigen wir uns mit der Mentalisierungsfähigkeit in unterschiedlichen psychotherapeutischen Kontexten und verbinden diese aktuell mit der Control-Mastery-Theory der San Francisco Psychotherapy Research Group (früher Mount Zion Psychotherapy Research Group).

Control-Mastery-Theory

Mithilfe der Control-Mastery-Theory (CMT) wird die Rolle von mehr oder weniger bewussten Beziehungstests konzeptualisiert; sie ist eine Behandlungstechnik, die auf die späte psychoanalytische Theorie Freuds zurückgeht und das Verhalten eines Patienten während der Psychoanalyse bzw. psychoanalytischen Psychotherapie beschreibt (Weiss, Sampson & Mount Zion Psychotherapy Research Group, 1986).

Grundlage von Psychopathologie sind der CMT zufolge subjektive traumatische Erfahrungen aus der frühen Kindheit, die zu Verdrängungen und pathogenen Überzeugungen führen, die meist düster und einschränkend wirken. Ein Kind kann verschiedene pathogene Überzeugungen durch traumatische Erfahrungen mit seinen Bezugspersonen entwickeln. Dadurch erscheint dem Kind jeder eigene Wunsch, jedes Bedürfnis so gefährlich, dass dessen Erfüllung die Beziehung zu seinen Eltern gefährden könnte. Die Eltern sind jedoch lebenswichtig für das Kind, deshalb unterdrückt es seine Bedürfnisse und Wünsche. Dennoch leidet die Person unter ihren pathogenen Überzeugungen, sie fühlt sich beispielsweise beschämt, schuldig, eingeengt oder ängstlich. Dieser Leidensdruck erzeugt den unbewussten Wunsch, die pathogenen Überzeugungen zu entkräften und führt den*die Patient*in in die Psychotherapie.

Es wird angenommen, dass der*die Patient*in, wenn er*sie sich dort in der therapeutischen Beziehung sicher fühlt, den*die Therapeut*in unbewusst auf die Probe stellt, um korrigierende emotionale Erfahrungen machen zu können, sogenannte Tests am*an der Therapeut*in durchführt. Dadurch möchte der*die Patient*in unbewusst erfahren, dass auch anderes als das dysfunktionale Verhalten angemessen ist und nach erfolgreich wiederholten Tests kann er*sie seine*ihre pathogenen Überzeugungen fallen lassen und verdrängte Inhalte erfahren und bearbeiten.

Aktuell untersucht das Forschungsteam den Zusammenhang dieser Beziehungstests und unbewussten Schemata mit der Mentalisierungsfähigkeit und dem damit verbundenen Therapieergebnis der Patient*innen.

Dynamic Interpersonal Therapy

Die Dynamisch-Interpersonelle Therapie (DIT) ist eine psychodynamische Kurzzeittherapie (16 Sitzungen) mit dem Schwerpunkt auf interpersonellen Schwierigkeiten, d. h. sich wiederholenden, maladaptiven Beziehungsmustern unter Berücksichtigung von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen sowie Abwehrmechanismen. Dieser interpersonelle, weitgehend unbewusste Fokus steht in direktem Zusammenhang mit psychischen Symptomen (insbesondere Depressions- und Angstsymptomen). Dessen Wirksamkeit wurde in ersten Studien nachgewiesen. Aktuelle Forschungsprojekte befassen sich mit der Wirksamkeit von DIT bei älteren Menschen und der Identifikation von Beziehungstests in psychodynamischen Kurzzeittherapien.